Die Herstellung einer Contouche

Schritt 3: Das Futter


Das Futter ist, wie gesagt, das A und O: Wenn das gut sitzt, paßt auch die Robe. Das Futter muß also perfekt auf dich zugeschnitten sein, während die Robe selber "pi mal Auge" für 3-4 Konfektionsgrößen gut ist. Wenn das Futter gut sitzt, kann man den Oberstoff sogar draufdrapieren, ohne einen Helfer zum Abstecken zu haben - zumindest größtenteils.

Vollbusige sollten gleich am Papier einen Einschnitt in Höhe Oberkante Korsett machen, vom Ärmelausschnitt etwa einen Mittelfinger lang einwärts, ihn etwas auseinanderziehen und von dieser neuen Form ausgehen. An genau dieser Stelle wird nämlich ein Abnäher fällig sein, dessen Tiefe von der Körbchengröße abhängt. Ich sollte vielleicht erwähnen, daß ich keinen Beweis dafür habe, daß man im 18. Jh. solche Abnäher gemacht hat. Allerdings sind auch die erhaltenen Roben fast alle in kleinen Größen, bei denen das einfach nicht nötig war. Die hiervon Betroffenen wissen aber sicher: Ab einer gewissen Körbchengröße geht es nicht ohne.

Schneide zuerst das Futter aus Pfuibähstoff zu. Male die Schnittkanten auf den Stoff und gib überall viel Zugabe. Hefte es locker zusammen und ziehe es, mit den Nahtzugaben nach außen, über dem Korsett an. [Anmerkung: Zieh das Korsett so fest, wie Du meinst, daß Du es einen Tag lang aushalten kannst, nicht fester.] Stecke die Vorderkanten so am Korsett fest, wie Du am Ende die Öffnung vorn haben willst. Oben wird das nahe bei den Brustwarzen sein, unten 5-10 cm auseinander. Laß die Seitennähte von der Achsel senkrecht runter am Korsett feststecken. Zuerst wird das Rückenteil inspiziert: Ist es zwischen den Schulterblättern zu weit, wird die Weite in der hinteren Mitte weggenommen, und zwar oben wie unten (=in Taillenhöhe) gleich viel. Ist es unten immer noch zu weit, ist das ok. Erklärung weiter unten. Dann das Vorderteil: Liegt es glatt an? Wenn nein, gibt es drei Möglichkeiten, die Falten loszuwerden: Man schiebt sie in die Seitennhaht, nimmt an der Vorderkante weg oder macht einen Abnäher. Aber Achtung: Abnäher von der Brust aus abwärts (wie man es ab dem 19. Jh. bis heute oft macht) sind definitv nicht erlaubt und sollten wegen des Korsetts auch nicht nötig sein. Manchmal wird es nötig sein, den oberen Teil der Vorderkante zwischen Oberkante des Korsetts und Schulter zu begradigen. Schließlich muß an der Schulter geschaut werden, ob die Träger die richtige Länge und Neigung haben, und ob der Armausschnitt zu eng oder (schlimmer) zu weit ist. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, daß im 18. Jh. die Schulternähte immer - bei Francaisen und Anglaisen, bei Frauen und Männern - hinter der Schulter liegen und nach außen hin abfallen. Der Schnitt gibt das schon so vor.

Laß dir eventuelle Änderungen gleich am Stoff markieren. Falls das Futter weiter hinunter geht als die Taille, laß dir die Taillenlinie markieren. Das Futter sollte im Rückenteil genau in der Taille enden, nicht drunter, aber auch nicht drüber. An der Seite laß es einen cm länger als Taillenhöhe. Vorne kurvt es dann sanft nach unten. Schneide nun eine Hälfte des Probefutters so zurecht, daß an den enger oder weiter gemachten Stellen die neu gemalte Linie gilt, sonst die ursprüngliche. Füge diesen neuen Schnitt - die Stoffteile selbst oder Papier-Kopien davon - deinem Schnitt hinzu und wirf dafür die ursprünglichen Schnitteile weg.

Falls Dein Pfuibähstoff nicht allzu pfui ist (also einfarbig weiß/natur, Baumwolle oder Leinen und kräftig genug) und Du nirgendwo etwas hinzufügen mußtest, kannst Du ihn gleich als Futterstoff weiterverwenden. Aber besser hebst Du ihn als Schnitt-Vorlage für künftige Projekte auf.

Schneide nach den neu gewonnenen Linien aus "richtigem" Futterstoff zu. Gib Nahtzugaben an der Seitennaht und der Schulternaht, eine Umschlag-Zugabe an der Vorderkante. Keine Zugaben an Taille und Armausschnitt. Die Breite der Zugaben richtet sich nach deinen Nähgewohnheiten - nimm so viel, wie Du brauchst, um Dich sicher zu fühlen. Wenn der Stoff zum Ausfransen neigt, nimm die Zackenschere. Ansonsten laß die Kanten einfach, wie sie sind, und setze das Teil zusammen.

 

Skizze: Futter von außen

Zwei schräg aufgesetzte Tunnel für Fischbeinstäbe, darunter drei Paar Bindebändchen. (Nach neueren erkenntnissen reichen die unteren zwei aus.)

Die gestrichelten Linien weiter außen zeigen, wo später der Oberstoff am Futter angeheftet wird.

So, und nun der Trick, warum das Futter im Kreuz locker sitzen darf:
Setze auf beiden Seiten der hinteren Mitte je einen Stoffstreifen von 1-2 cm Breite auf die linke Seite des Futters - also auf die Seite, wo die Nahtzugaben sind. Der Streifen soll von etwas oberhalb der Achsel bis 2 cm über der Taille reichen. Oben sollte er ca. 3cm von der hinteren Mitte weg sein, unten weiter weg - 5 cm oder etwas mehr. Fasse beim Aufnähen der Streifen an der Richtung Rückenmitte weisenden Naht auf jeder Seite zwei schmale Bändchen mit (eins auf Höhe Unterkante Armloch und eins nahe der Taille), die auf beiden Seiten in gleicher Höhe sitzen1. Lege einen Fischbeinstab (das kann auch ein ziemlich schmaler, schwacher sein) unter den Streifen und schließe die Außennaht sowie oberes und unteres Ende des Streifens, so daß der Stab auf allen Seiten umzingelt ist. Wenn Du die Robe angezogen und vorn festgesteckt hast, werden die Bändchen zugebunden, so daß alles straff sitzt. Das sollte nur einmal im Leben der Robe nötig sein, es sei denn, Du nimmst öfter mal zu und ab.

Für extreme Figuren ist es wahrscheinlich einfacher, den Futterschnitt ganz neu zu machen. Das ist gar nicht schwer, wenn Du einen Helfer hast, der weiß, worauf es ankommt: Schneide in zwei Stücke Pfuistoff einen ungefähren Armausschnitt - einen vorderen und einen hinteren. Zieh das Korsett an und laß das erste Teil Pfuistoff vorn draufstecken, und um die Seite rum. Der Stoff wird vielleicht erstmal nicht glatt liegen, sondern einen Abnäher in Brusthöhe brauchen. Laß ihn dir so abstecken, daß der Stoff glatt liegt. Dein Helfer markiert nun als erstes die Seitennaht, dann die Vorderkante. Die fängt ein paar cm seitlich von Hals an, geht knapp außerhalb der Brustwarzen vorbei und endet unterhalb der Taille ein paar cm seitlich der vorderen Mitte. Laß Dir den Armausschnitt so markieren, daß sicher nichts zwickt oder Falten schlägt. Die Taillenlinie fängt an der Seitennaht in Höhe der tatsächlichen Taille an und kurvt zur Vorderkante hin abwärts.

Genauso verfährst Du mit dem Pfuistoff für das Rückenteil, und denk dran, im Kreuz Luft zu lassen. Wenn Du nun die Teile fertig markiert hast, schneide sie entlang der Markierungen ab, lege sie flach auf ein Papier und fahre drumherum. Du kannst das Vorderteil nicht ganz flach legen, weil der Brustabnäher so groß ist? Dann mach ihn auf und übertrage ihn aufs Papier, denn Dein Futter wird den Abnäher brauchen.

 

Nächster Schritt: Zuschneiden der Robe

 

1) Im Bild gehen die Tunnel bzw. Stäbe höher rauf als im Text angegeben und es sind je drei Bindebändchen. Das liegt daran, daß ich irgendwann gemerkt habe, daß es zwischen den Schulterblättern enger zu machen gibt.