Wenn man bedenkt, wie hartnäckig Hollerflecken sind, und daß die Beeren wie Unkraut an Feldrändern wachsen, ohne jemanden zu interessieren, ist es verwunderlich, daß es kaum Färberezepte dafür gibt. Der eine oder andere hat es wohl versucht und festgestellt, daß die Färbung nicht allzu lichtecht ist. Für ein Kleidungsstück, daß nur ein paar Mal pro Jahr das Licht der Welt erblicht, sollte das irrelevant sein.
Obwohl die schönsten Dolden gemeinerweise in über 2 m Höher hängen, waren innerhalb von 1,5 Stunden gute 10 Kilo Beeren gesammelt. Mit Gummihandschuhen bewaffnet rupfte ich die Beeren grob von den Dolden ab., d.h. einige kleine Zweige blieben. Die Ernte setzte ich in einem großen Topf auf den Herd, kippte mehrere Pfund Salz dazu (einem im Internet gefundenen Rezept zufolge verbessert das die Lichtechtheit) und zermatschte die Beeren mit einem Mixer. Da ein Rotwein seine Farbe ausschließlich von den mitvergorenen Beerenhäuten erhält, so sann ich, dann muß auch die Färbekraft der Hollerbeeren in den Schalen liegen.
Für die ersten Experimente wurden nur etwa 3 Kilo Beeren verwendet. Rezepten im Internet zufolge konnten verschiedene Farben erzielt werden, je nachdem, womit man die gefärbten Stoff ausspülte: Basisches Spülwasser ergab bläuliche, saures Waschwasser rötliche Farbtöne. Also schnitt ich je drei Stücke von Wolle, Leinen, Baumwolle und Seide und tunkte sie alle ein. Von jeder Stoffsorte wurde je ein Stück in reinem Wasser ausgewaschen, eines in Seifenwasser, und eines in Essigwasser. Lauge und Säure waren wohl zu schwach konzentriert, denn nur die Baumwolle zeigte deutliche Farbunterschiede. Die Farben waren durchwegs intensiv.
Mit den Tests zufrieden, beschloß ich, mit den restlichen Beeren eine größere Menge Wolle zu färben. Für eine größere Menge brauchte ich aber ein größeres Gefäß als den 20-Liter-Emailletopf, in dem ich die Proben gemacht hatte. Ein Gefäß, das ich auf eine Kochplatte setzen konnte und da gab es nur eines: eine 70-Liter-Zinkwanne. Es stellte sich heraus, daß das Zink offanbar mit dem Hollersaft reagiert: Die Spritzer an der Wannenwand verfärbten sich blau. Der darin gefärbte Wollstoff (derselbe, der zuvor im Emailletopf rotviolett geworden war) kam blauviolettgrau aus dem Sud hervor. Auch zwei Liter Essig im Spülwasser konnten dem kaum entgegenwirken. Die Baumwoll- und Leinenstücke hingegen, die ich mitgefärbt und dann in einer schwachen Lauge aus Klorix gespült hatte, wurden wie versprochen hellblau mit Graustich.