Im 17. Jh. wurden aus Indien Baumwollstoffe importiert, die in besonderer Weise
in Rot, Violett und Schwarz beruckt oder bemalt waren und sich sofort großer
Beliebtheit erfreuten. Leider waren sie, des langen Seetransports wegen, recht
teuer, so daß sich alsbald findige Niederländer (die solche Stoffe
zuerst importiert hatten) daran machten, das Geheimnis der Technik zu ergründen,
auf daß sie billige weiße Baumwolle importieren und daheim färben
könnten.
Wie genau die Krappfärberei funktionierte, ist heute schwer naschzuvollziehen, da offenbar die Betriebsgeheimnisse bestens gehütet wurden. Der Forscher hängt gewissermaßen in der Luft zwischen Plinius, der ein altägyptisches Färbeverfahren beschreibt, bei dem aus einem einzigen Färbebad mehrere Farben auftauchen, und Texten des 19. Jh., die schon wieder andere Techniken beschreiben. Als Quelle dienten mit hier das Plinius-Zitat, zu finden in
Koch, Johannes Hugo. Mit Model, Krapp und Indigo : Vom alten Handdruck auf Kattun und Leinwand. Hamburg: Christians, 1984
und ein englischer Text, anscheinend aus dem 19. Jh., den ich im Internet gefunden hatte. Da ich nicht mehr weiß, wo, und also nicht verlinken kann, hänge ich ihn in Auszügen hier auf. Dazu kamen diverse Färbebücher, die darüber Auskunft geben, welche Beize welchen Farbton ergibt.
Uns so rekonstruiere ich nach vielerlei Lektüre die Technik:
Stoff nimmt die Farbe aus einem Krappbad nicht oder nur geringfügig auf, sofern er nicht mit einer Beize vorbehandelt wurde - man zählt Krapp daher zu den Beizenfarbstoffen. Je nachdem, welche Beize verwendet wurde, wird der Stoff hochrot, rotbraun, pink, violett oder schwarz. Bei der Krappfärberei wird also das Muster nicht etwa in Reserve aufgedruckt (also bestimmte Stellen, die weiß bleiben sollen, werden mit Wachs oder Stärke "reserviert", wie z.B. bei Batik oder beim Indigo-Blaudruck). Im Gegenteil: Die Stellen, die farbig werden sollen, werden gebeizt, damit die Farbe dort überhaupt erst anlagern kann. Mehrfarbige Muster werden aus verschiedenen Beizen aufgedruckt, die verdickt wurden, damit sie nicht verfließen, und leicht eingefärbt, damit man sieht, wo schon Beize aufgetragen ist. Der Teil des Musters, der Rot werden soll, wird mit Alaun- oder Zinnbeize bedruckt; Weinsäure ergibt Violett und Eisensulfid Schwarz. Damit überschüssige Beize nicht im Farbbad auswäscht, wo sie den Farbstoff außerhalb des Stoffes binden würde, muß der Überschuß ausgewaschen werden. Dabei kann sich aber die ausgelöste, überschüssige Beize da am Stoff anlagern, wo sie unerwünscht ist. Im Altertum wurde die überschüssige Beize in einem Bad aus Kuhdung ausgewaschen. Der oben angeführte englische Text schlägt stattdessen "silicate of soda" vor. Ich habe mehrere Wörter- und Chemiebücher gewälzt, bevor ich zu dem Schuß kam, daß es sich dabei um Natronwasserglas handeln müsse.
Mein erster Versuch fand statt, bevor ich das herausgefunden hatte, d.h. ich hatte kein Fixiermittel verwendet. Dementprechend verliefen mir die Beizen auf dem Probestück, so daß einige Stellen besonders rot oder schwarz waren, der Fond aber blaß-violettgrau - das Eisensulfat war ausgelaufen, und beim auswaschen roch es auch ziemlich nach Eisen. Das Probestück war so gemacht, daß in mit Kuli vorgemalten Rechtecken jeweils etwas Beize aufgetragen und der Name der Beize dazugeschrieben war. Mit von der Partie waren Alaun, Zinn-(II)-Dichlorid, Weinsäure und Eisensulfat sowie Mischungen von je zwei davon. So richtig kann ich also nicht sagen, welche Beize welche wirkung hat, aber das Alaun sorgte immerhin für ein deutliches Orangerot, und Eisensulfat für ein ebenso deutliches Schwarz.
Mein nächster Versuch wird sein, ein mit verschiedenen Beizen behandeltes Stück Stoff in einer Lösung aus Natronwasserglas auszuwaschen, bevor es ins Färbebad gelangt.