Männeranzug

Teil 3: Die Hose

 

Hose mit Mittelschlitz
(c) metmuseum.org, 26.56.40

Der allererste Schritt sollte sein, die Taschen zu machen. Sie sind bei weitem der schwierigste Teil an der Hose. Wer sich da noch nicht rantraut, kann auch jenen Teil an der Bundkante des Vorderteils, der ein wenig hochsteht, abschneiden und die Hose ohne Taschen machen. Andererseits: Wenn man es einmal ertüftelt hat, dann ist es in der Rückschau eigentlich ganz einfach. Die Schwierigkeit ist nicht etwa eine nähtechnische - es sei denn, man versucht es mit der Nähmaschine - sondern liegt schlicht darin, zu verstehen, welche Teile wie zusammengehören. Wenn Du ein Probeteil gemacht hast, solltest Du erstmal damit experimentieren.

Überlege Dir, wie tief die Taschen sein sollen, und schneide dann die Taschenbeutel entsprechend zu: Die äußere (vordere) Lage des Beutels folgt an der Oberkante der Linie des eben erwähnten, hochstehenden Teiles, und ist unterhalb davon ein paar cm breiter als jener. Der hintere Teil ist einfach ein Rechteck gleicher Breite und Länge. Setze den vorderen Beutelteil von außen an den entsprechenden Teil der Hose und nähe sie dicht an der Kante zusammen. Dort, wo im Schnitt ein Schlitz eingezeichnet ist, nähst du an der künftigen Schlitzkante so weit hinunter, wie der Schlitz lang sein soll. Schneide evtl. die Zugabe ein und schneide den Schlitz auf. Dreh den Beutel nach innen um und bügle die Kante platt. An die noch nicht versorgte Schlitzkante nähst Du einen Streifen Oberstoff und setzt den hinteren Teil des Taschenbeutels dahinter. Streiche die zwei Teile des Taschenbeutels aufeinander glatt und nähe sie entlang der Kanten (außer natürlich an der Oberkante und am Schlitz) zusammen. An der zur Mitte weisenden Seite wird das oben etwas eng - laß notfalls ein bißchen offen. Skizze

Wer es ganz nobel mag, kann gleich noch eine Uhrentasche in den Hosenbund machen, und zwar auf der rechten Seite. Sie wird als schlichte Pattentasche gemacht und sollte weit oben sitzen, damit sie möglichst tief werden kann. Sie sollte so breit sein, daß drei oder vier Finger zusammen bequem hineinpassen, und nicht tiefer als die Hand vom Daumenansatz bis zur Zeigefingerspitze. Sie darf ruhig tiefer sein als das Taillenband hoch ist: An der entsprechenden Stelle näht man das Futter des Taillenbandes ganz einfach nicht fest, so daß die Tasche weiter hinunterhängen kann. Wenn die Tasche eingesetzt ist, werden die Oberstoff- und Futterteile des Bundbandes rechts auf rechts zusammengenäht, gewendet und gebügelt.

Nun setzen wir noch den Übertritt an die linke Seite des Hosentürls. Man erwartet heute eher einen Untertritt, aber so war es damals nicht: Der Übertritt sitzt halb unter der linken Hosenseite, halb ragt er über die rechte. Er muß so unter die linke Seite gesetzt werden, daß die Verbindungsnaht ca. 1,5 cm von der vorderen Mitte entfernt ist, so daß die Knöpfe später teilweise unter der linken Seite verborgen sind. Der Übertritt muß natürlich breit genug sein, um die zugehörigen Knopflöcher aufnehmen zu können, also ungefähr Knopfdurchmesser plus 2-3 mm plus ca. 1 cm. Dann können die Hosenteile zusammengenäht werden. Laß hinten an der senkrechten Kante ca. 6-8 Zentimeter offen stehen und säume die Nahtzugabe dort um. Wenn Du möchtest, kannst du unter den so entstandenen Schlitz ein Dreieck setzen, der verhindert, daß zwischen Bund und Schlitzende das Hemd herausschaut - aber eigentlich soll ein Herr sowieso nicht die Weste ausziehen, so daß es egal sein müßte, ob etwas herausschaut. Eigentlich. Laß unten an der äußeren Beinnaht einen Schlitz von ca. 20 cm offen. Reihe das hintere Hosenteil an der Bundkante entlang ein und setze dann, vorn beginnend, den Bund auf die Hose. Ab der Stelle, wo die Tasche anfängt, nähst Du den Bund nur am hinteren Teil des Taschenbeutels an (geh am vorderen Taschenende so nah an das Schlitzende wie möglich) und gehst gerade weiter, am Schlitz vorbei und weiter zur hinteren Mitte. Justiere die Einreihung der hinteren Hosenteile so, daß sie gerade in das Taillenband passen.

Die jeweils vordere Ecke der Tasche, wo sie auf das Bundband trifft, sollte mit ein paar Stichen auf dem Bundband befestigt werden, nur ein bißchen um die Rundung herum. Nun hängt die äußere Ecke der Tasche zunächst lose herum, aber nicht für lange, denn nun setzt Du einen kleinen Knopf etwas einwärts und unterhalb der Stelle, wo die äußere Ecke der Tasche auf dem Taillenband zu liegen kommt. In die Ecke Der Tasche machst Du ein schräg liegendes Knopfloch, das die Tasche verschließt, sobald es über den kleinen Knopf geknöpft wird.

Schließlich zu den Knien: Entweder gibt es einen Untertritt, der an das hintere Hosenteil angeschnitten ist und die Knöpfe trägt, oder die Knöpfe sitzen direkt auf dem hinteren Teil, während unter das vordere Teil ein Übertritt gesetzt wurde, ähnlich dem am Hosentürl. Dementsprechend sitzen die waagerechten Knopflöcher entweder direkt im Vorderteil, oder auf dem Übertritt. Es ist ratsam, beide Kanten mit einem Leinenstreifen zu unterfüttern, damit die Knöpfe und Knopflöcher gut Halt haben. Es werden vier bis fünf Knöpfe auf das hintere Hosenteil gesetzt und entsprechend Knopflöcher in das Vorderteil bzw. den Übertritt gemacht. Beachte, daß das Knieband von außen auf den Saum gesetzt wird, nicht wie eine Manschette an dessen Unterkante. Die Knöpfe verteilen sich also nicht gleichmäßig zwischen Saum und oberem Schlitzende, sondern zwischen der Oberkante des Kniebandes und dem Schlitzende. Der untere Hosensaum muß ein wenig eingereiht werden, bevor man das Knieband aufsetzt.

Die Länge des Kniebandes hängt ab vom Beinumfang: Es sollte etwa die Mitte halten zwischen der schmalsten Stelle des Unterschenkels, direkt unter dem Knie, und der dicksten Stelle der Wade. Dazu kommt die Länge des Übertritts, der durch die Knieschnalle gezogen wird, ca. 5-6 cm. Die Breite wird von der Knieschnalle bestimmt: Breit genug, um den Querbügel der Knieschnalle aufzunehmen, aber schmal genug, um durch die Öffnung der Schnalle gezogen werden zu können. Hinten wird es erst 3-5 cm vom Schlitz entfernt aufgesetzt; davor hängt es lose. Ebenso auf der Vorderseite, wo das Knieband weit über den Schlitz hinausragt. Ins hintere (kürzere) Ende des Kniebandes wird ein waagerechtes Knopfloch gemacht, in das die Knieschnalle eingehängt wird. Das Knopfloch muß so breit sein wie die Entfernung vom äußersten Ende des Bügels bis zur Kehle der anderen Seite. (!) Wenn man keine Knieschnalle hat, kann man auch den Knopfschluß des Schlitzes quasi nach unten Verlängern, d.h. auch das Bundband wird mit einem Knopf geschlossen. Das ist allerdings eine recht unelegante Methode, die sich eher für einen Arme-Schlucker-Anzug eignet als für einen nobligen. Selbst ein normaler Bürger hätte eine Schnalle vorgezogen, nur eben aus Messing oder Zinn statt Gold oder Silber. Auf keinen Fall laß dich verleiten, einen Schleifenverschluß zu machen, vielleicht gar mit einem kontrastfarbingem Bundband: Das ist reinster Fasching.

 

Nächster Schritt: Das Justaucorps

Wednesday, 15-May-2013 23:52:40 MEST